Ein großes Transparent an der B 38, Richtung Innenstadt, wirbt: „Wir kaufen Häuser!“. Wir wissen mittlerweile: Dieser Aufkäufer strebt einen Ring von „Studentenwohnheimen“ rund um die Uni an. Die alten Häuser werden entmietet und saniert. Für jeden neuen Mieter gibt es dann als Bonbon ein selbstgemaltes Bild dazu.
Screenshots der Angebote
Für reiche BWL-Studierende sicher das Ideale: Nahe zur Uni und an allen einschlägigen Kneipen. Besonders betroffen sind auch ausländische Studierende: Nur drei Wochen haben diese u.U. Zeit, ein Zimmer zu finden, sonst können sie ihr Jahresstipendium hier nicht antreten. Notfalls müssen sie daher diese total überteuerten Wohnungen mieten und an Anderem sparen oder versuchen, mehr hinzu zu verdienen.
Aber nicht nur die wohnungssuchenden Studierenden werden übervorteilt. Die bisherigen Mieter werden gedrängt, schnell und unkompliziert auszuziehen. Das hat leider auch in L 11,4 mit fast allen bisherigen MieterInnen geklappt, die „freiwillig“ das Feld geräumt haben. Lediglich ein Paar lebt noch dort im vierten Obergeschoss: Da der neue Besitzer einfach die Wohnungstür ausgehebelt und mitgenommen hat, müssen sie ihre Zimmer immer abschließen. Nachts auf dem Weg zur Toilette könnte jederzeit ein Fremder einfach in der Wohnung stehen. Die Dusche ist verstopft, auch manch anderes ist defekt, eine der Toiletten sogar verschwunden. Die Schuhe im Flur sind extrem verstaubt durch die Bauarbeiten, die in der noch nicht geräumten Wohnung rücksichtslos vorgenommen werden.
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Überall Baustellendreck in der Wohnung
Die Toilette ist verschwunden
Fotos: Karlheinz Paskuda
Derzeit entsteht: L11, 4 Albert Reiser Studentenwohnsitz
In L11, 4 wird das komplette Dachgeschoß abgetragen und mit drei neuen Dachterrassen-Einheiten neu aufgebaut, die im Maisonette-Stil in der zweiten Ebene einen Schlafplatz haben. Das bisher als Kirche genutzte Erdgeschoß wird gleichfalls zu drei Studentenwohnungen umgebaut, wovon zwei einen direkten Zugang zum Garten haben und durch die großzügigen Grundrisse bzw. die angenehme Raumhöhe von 3 Metern bestechen. Insgesamt entstehen hier 19 Studentenappartements. Das Anwesen wird im Dezember 2014 fertiggestellt und komplett bezogen.
295 Euro betrug die Miete des jungen Mannes aus dem vierten Obergeschoss einmal – 635 Euro dagegen beträgt die Miete der jungen Frau, die im ersten Stock in eine vergleichbare Wohnung eingezogen ist, die bereits saniert wurde und teilmöbliert ist.
Die Gentrifizierung schreitet somit in einem besonders heiklen Feld weiter voran: Ärmere Studierende können sich die Wohnungen in diesen privaten „Studentenwohnheimen“ nicht annähernd leisten. Und private VermieterInnen, die nebenan humane Mieten nehmen, werden ihre Mieten bei 300 bis 400 Euro Unterschied verständlicherweise auch tendenziell mal etwas angleichen wollen.
Übrigens so nebenbei: Durch die Teilmöblierung würde uns hier auch die berüchtigte Mietpreisbremse, so sie überhaupt in Mannheim kommt, nichts nützen.
Update:
Foto: Karlheinz Paskuda
Entmieten brachial
Der jungen Frau, über die wir gestern berichteten, die mit ihrem Partner noch in L 11, 4 wohnt und die Sanierung zu Studentenwohnungen stört, wurde heute ein großes Loch in ihr Zimmer geschlagen. Angeblich auf der Suche nach einem Wasserschaden, der aber dort nicht zu finden war.
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„Nur für Studenten“, steht im Inserat. „Studentenwohnheime“ werden angepriesen. Direkt an der Uni, direkt am Hauptbahnhof. Frisch saniert, teilmöbliert. Klasse! Dann der Preis: Kaltmiete 630 Euro für 37 qm, Warmmiete 740 Euro, oder 22 qm für 450 Euro warm.
2012 bei der Eröffnung des ersten „Studentenwohnheimes“ gab es noch einen lobenden Artikel im Mannheimer Morgen. Erwähnt wurde dabei auch, dass die kleinen Wohnungen auch über das Studierendenwerk angeboten werden können.
Ein großes Transparent an der B 38, Richtung Innenstadt, wirbt: „Wir kaufen Häuser!“. Wir wissen mittlerweile: Dieser Aufkäufer strebt einen Ring von „Studentenwohnheimen“ rund um die Uni an. Die alten Häuser werden entmietet und saniert. Für jeden neuen Mieter gibt es dann als Bonbon ein selbstgemaltes Bild dazu.
Für reiche BWL-Studierende sicher das Ideale: Nahe zur Uni und an allen einschlägigen Kneipen. Besonders betroffen sind auch ausländische Studierende: Nur drei Wochen haben diese u.U. Zeit, ein Zimmer zu finden, sonst können sie ihr Jahresstipendium hier nicht antreten. Notfalls müssen sie daher diese total überteuerten Wohnungen mieten und an Anderem sparen oder versuchen, mehr hinzu zu verdienen.
Aber nicht nur die wohnungssuchenden Studierenden werden übervorteilt. Die bisherigen Mieter werden gedrängt, schnell und unkompliziert auszuziehen. Das hat leider auch in L 11,4 mit fast allen bisherigen MieterInnen geklappt, die „freiwillig“ das Feld geräumt haben. Lediglich ein Paar lebt noch dort im vierten Obergeschoss: Da der neue Besitzer einfach die Wohnungstür ausgehebelt und mitgenommen hat, müssen sie ihre Zimmer immer abschließen. Nachts auf dem Weg zur Toilette könnte jederzeit ein Fremder einfach in der Wohnung stehen. Die Dusche ist verstopft, auch manch anderes ist defekt, eine der Toiletten sogar verschwunden. Die Schuhe im Flur sind extrem verstaubt durch die Bauarbeiten, die in der noch nicht geräumten Wohnung rücksichtslos vorgenommen werden.
295 Euro betrug die Miete des jungen Mannes aus dem vierten Obergeschoss einmal – 635 Euro dagegen beträgt die Miete der jungen Frau, die im ersten Stock in eine vergleichbare Wohnung eingezogen ist, die bereits saniert wurde und teilmöbliert ist.
Die Gentrifizierung schreitet somit in einem besonders heiklen Feld weiter voran: Ärmere Studierende können sich die Wohnungen in diesen privaten „Studentenwohnheimen“ nicht annähernd leisten. Und private VermieterInnen, die nebenan humane Mieten nehmen, werden ihre Mieten bei 300 bis 400 Euro Unterschied verständlicherweise auch tendenziell mal etwas angleichen wollen.
Übrigens so nebenbei: Durch die Teilmöblierung würde uns hier auch die berüchtigte Mietpreisbremse, so sie überhaupt in Mannheim kommt, nichts nützen.
Update:
Entmieten brachial
Der jungen Frau, über die wir gestern berichteten, die mit ihrem Partner noch in L 11, 4 wohnt und die Sanierung zu Studentenwohnungen stört, wurde heute ein großes Loch in ihr Zimmer geschlagen. Angeblich auf der Suche nach einem Wasserschaden, der aber dort nicht zu finden war.
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