Wir hatten Stadtrat Gerhard Fontagnier, der nicht nur wohnungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, sondern auch Aufsichtsratsmitglied der GBG ist, um eine persönliche Stellungnahme zu den Abrissplänen der GBG entlang der Carl-Benz-Straße gebeten.
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Hier seine Antwort:
Stadtrat Fontagnier | Foto: Pressefreigabe
Es fällt mir sehr schwer, mir eine eindeutige Meinung zu bilden. Ich sehe folgendes Dilemma: in den vergangenen Jahrzehnten hat die GBG vermutlich zu wenig in den Bestand investiert. Mittlerweile hat sich das deutlich geändert und es werden rund 50 Millionen jährlich in den Bestand investiert. Als oberste Prämisse gilt daher bei meiner Beurteilung: Wenn die Menschen in den Neubauten zu annähernd gleicher Warmmiete wieder einziehen können, dann ist das die erste Wahl und gut für die Mieter und für den Wohnungsbestand der GBG, der natürlich auch zukunftstauglich gemacht werden muss. Die zweitbeste Lösung ist das Unterkommen der Mieter zu annähernd gleicher Warmmiete im entsprechenden Stadtviertel.
Die soziale Mischung in den Stadtvierteln muss breit und bunt sein, bleiben oder werden. D.h. aber auch, dass in der ein oder anderen Ecke dieser Stadt ruhig ein paar mehr Leute mit ein bisschen mehr Geld wohnen könnten. Der ersatzlose Wegfall von bezahlbarem Wohnraum ist dabei trotzdem keine Perspektive.
Die soziale Mischung ist nach meinem Eindruck im Osten der Neckarstadt bisher noch ausgewogen. Im Westen gibt es da eher Verbesserungsbedarf.
Letztendlich ist es auch in der Carl-Benz-Straße so: es liegt in der Hand der Mieterinnen und Mieter. Niemand kann und darf auf die Straße gesetzt werden. Dies habe ich bisher in noch keinem einzigen Fall gehört. Bei abgeschlossenen Projekten wurden den Mietern bessere Wohnungen zu höchstens gleich hohen Kaltmieten vermittelt und der Umzug bezahlt. Meist sparen sie außerdem in den neuen Wohnungen an Nebenkosten weil diese besser energetisch saniert sind.
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Wenn die Mieterinnen und Mieter mit den Angeboten der GBG zufrieden sind, dann soll es mir als Stadtrat Recht sein. Auf den sozialen und fairen Umgang werde ich weiterhin achten und meine Nachfragen dazu stellen.
Die GBG trägt zu einer mit anderen Städten verglichenen, verhältnismäßig günstigen Durchschnittsmiete bei. Die gestiegenen Preise bei Neuvermietungen sind das Problem und der fehlende soziale Wohnungsbau, der Ende der 90er-Jahre durch die Abschaffung des Wohnraumförderungsgesetz stoppte.
Die GBG muss ihre Kommunikationspolitik verbessern und die Stadt Mannheim muss selbst aktiv werden, um sozialen Wohnungsbau zu fördern oder selbst zu schaffen. Auf den Bund zu warten, kann kaum die Lösung sein. Man kann Investoren beim Bauen durchaus einen entsprechenden Anteil sozialer Wohnräume abverlangen und man kann als Stadt selbst in den Wohnungsbau investieren. Günstige Mieten sind zudem im Interesse derer, die in den Geschäften darauf warten, dass wir bei Ihnen einkaufen und Geld ausgeben. Es wäre schön, wenn die Stimmen aus diesem Bereich vernehmbar würden.
In Mannheim werden diejenigen wohnen bleiben, die vergleichsweise günstige Mieten vorfinden und in einem lebensfreundlichen Umfeld wohnen können. Das muss der Stadt etwas wert sein. Die Chancen dazu hat Mannheim mehr als viele andere Städte. Alle, die sich zum Thema Wohnen engagieren, können dazu beitragen, dass die Wohnungspolitik in Mannheim auf einen guten Weg kommt.
Gerne würden wir auch die Stellungnahmen anderer Stadträte oder GBG-Aufsichtsratsmitglieder bei uns veröffentlichen. Wir werden uns in den nächsten Tagen darum bemühen.
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Wir hatten Stadtrat Gerhard Fontagnier, der nicht nur wohnungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, sondern auch Aufsichtsratsmitglied der GBG ist, um eine persönliche Stellungnahme zu den Abrissplänen der GBG entlang der Carl-Benz-Straße gebeten.
Hier seine Antwort:
Es fällt mir sehr schwer, mir eine eindeutige Meinung zu bilden. Ich sehe folgendes Dilemma: in den vergangenen Jahrzehnten hat die GBG vermutlich zu wenig in den Bestand investiert. Mittlerweile hat sich das deutlich geändert und es werden rund 50 Millionen jährlich in den Bestand investiert. Als oberste Prämisse gilt daher bei meiner Beurteilung: Wenn die Menschen in den Neubauten zu annähernd gleicher Warmmiete wieder einziehen können, dann ist das die erste Wahl und gut für die Mieter und für den Wohnungsbestand der GBG, der natürlich auch zukunftstauglich gemacht werden muss. Die zweitbeste Lösung ist das Unterkommen der Mieter zu annähernd gleicher Warmmiete im entsprechenden Stadtviertel.
Die soziale Mischung in den Stadtvierteln muss breit und bunt sein, bleiben oder werden. D.h. aber auch, dass in der ein oder anderen Ecke dieser Stadt ruhig ein paar mehr Leute mit ein bisschen mehr Geld wohnen könnten. Der ersatzlose Wegfall von bezahlbarem Wohnraum ist dabei trotzdem keine Perspektive.
Die soziale Mischung ist nach meinem Eindruck im Osten der Neckarstadt bisher noch ausgewogen. Im Westen gibt es da eher Verbesserungsbedarf.
Letztendlich ist es auch in der Carl-Benz-Straße so: es liegt in der Hand der Mieterinnen und Mieter. Niemand kann und darf auf die Straße gesetzt werden. Dies habe ich bisher in noch keinem einzigen Fall gehört. Bei abgeschlossenen Projekten wurden den Mietern bessere Wohnungen zu höchstens gleich hohen Kaltmieten vermittelt und der Umzug bezahlt. Meist sparen sie außerdem in den neuen Wohnungen an Nebenkosten weil diese besser energetisch saniert sind.
Wenn die Mieterinnen und Mieter mit den Angeboten der GBG zufrieden sind, dann soll es mir als Stadtrat Recht sein. Auf den sozialen und fairen Umgang werde ich weiterhin achten und meine Nachfragen dazu stellen.
Die GBG trägt zu einer mit anderen Städten verglichenen, verhältnismäßig günstigen Durchschnittsmiete bei. Die gestiegenen Preise bei Neuvermietungen sind das Problem und der fehlende soziale Wohnungsbau, der Ende der 90er-Jahre durch die Abschaffung des Wohnraumförderungsgesetz stoppte.
Die GBG muss ihre Kommunikationspolitik verbessern und die Stadt Mannheim muss selbst aktiv werden, um sozialen Wohnungsbau zu fördern oder selbst zu schaffen. Auf den Bund zu warten, kann kaum die Lösung sein. Man kann Investoren beim Bauen durchaus einen entsprechenden Anteil sozialer Wohnräume abverlangen und man kann als Stadt selbst in den Wohnungsbau investieren. Günstige Mieten sind zudem im Interesse derer, die in den Geschäften darauf warten, dass wir bei Ihnen einkaufen und Geld ausgeben. Es wäre schön, wenn die Stimmen aus diesem Bereich vernehmbar würden.
In Mannheim werden diejenigen wohnen bleiben, die vergleichsweise günstige Mieten vorfinden und in einem lebensfreundlichen Umfeld wohnen können. Das muss der Stadt etwas wert sein. Die Chancen dazu hat Mannheim mehr als viele andere Städte. Alle, die sich zum Thema Wohnen engagieren, können dazu beitragen, dass die Wohnungspolitik in Mannheim auf einen guten Weg kommt.
Gerne würden wir auch die Stellungnahmen anderer Stadträte oder GBG-Aufsichtsratsmitglieder bei uns veröffentlichen. Wir werden uns in den nächsten Tagen darum bemühen.
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